Gedenken Progrome 09.11.2021Auch in diesem Jahr 2021 konnte am Erinnerungs-Mahnmal der einst prächtigen, in der Nacht zum 9. November 1938 von Nationalsozialisten in Brand gesteckten Synagoge in der Kasernenstraße nur ein vereinzeltes Gedenken statt finden.

 

 

Doch es ist wichtig – gleich. ob hier oder an anderen Orten, zu gedenken und zu erinnern an das, was damals in der Nacht des 9. zum 10. November 1938 und in den Tagen darauf in unserer Stadt, in unserer Nachbarschaft jüdischen Menschen geschah. Es darf nicht vergessen werden, dass und wie aufgestachelte, wütende nationalsozialistische Horden unter dem Gaffen vieler anderer mehr als 450 Wohnungen und Geschäftsräume jüdischer Menschen überfallen, mindestens 70 von ihnen unter brutalen Misshandlungen teilweise schwer verletzt und 13 getötet, tödlich verletzt oder in den Tod getrieben haben – allein weil sie Juden waren. Die überlieferten Einzelheiten erschüttern, verstören noch heute.

Noch in der Nacht und im Laufe des folgenden Tages waren mindestens 141 Menschen in unserer Stadt durch die Gestapo und sie unterstützende Kriminal-, auch Schutzpolizei festgenommen und ins dadurch weit überfüllte Polizeigefängnis im Düsseldorfer Polizeipräsidium eingeliefert worden, darunter 18 Frauen und sechs Kinder zwischen fünf und fünfzehn Jahren, auch eine nicht unerhebliche Anzahl älterer Männer bis zum Alter von 80 Jahren. Unter den Männern waren Kaufleute, Handwerker, Ärzte, Rechtsanwälte, Angestellte, Rentner, gelernte und ungelernte Arbeiter – ähnlich dem tobenden Mob, dem sie ausgeliefert waren. 87 Männer, insbesondere die jüngeren unter 55 Jahren und die wohlhabenderen, wurden weiter in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Erst am 22. November wurde Rabbiner Dr. Eschelbacher mit dem Rest der noch inhaftierten Gemeindemitglieder entlassen.

Ihrer, doch auch aller anderen jüdischen Menschen, die in jener schrecklichen Zeit erniedrigt, beraubt, ausgeplündert, vertrieben, deportiert und ermordet worden sind, sollte in diesen Tagen gedacht werden. Hier kann und darf die Polizei und unser Polizeigeschichtsverein nicht beiseite stehen, umso mehr als die Polizei damals den vielen in Not und Bedrängnis geratenen jüdischen Menschen in unserer Stadt – entgegen aller Propaganda vom „Freund und Helfer“ - nicht helfen durfte. Es gab auch einen beherzten Reviervorsteher in Berlin, Pol.Oberltn. Wilhelm Krützfeld, der das Abbrennen der Neue Synagoge in der Oranienburger Straße zu verhindern wusste, auch andere, die insgeheim warnten, halfen – doch es waren wenige.

Wir können das, was war und geschah in unserem Namen, nicht ändern, nicht ungeschehen, nicht wieder gut machen. Doch es ist und bleibt unsere Verantwortung, dass das oder Ähnliches sich nicht wiederholt.

Und wir können diesen verfolgten und getöteten jüdischen Menschen Mensch-Sein und Würde, die man ihnen damals geraubt hatte, zurück geben, wenn wir sie bergen in unserem Erinnern und Gedenken an sie. Denn nur der ist tot – so heißt es, an den sich niemand mehr erinnert.

 

 Gedenken Progrome am 09.11.2021

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